Chih-I Tendai Teil 4: Kleshas – Geistige Qualen

Wir steigen in den nächstes Artikeln noch etwas tiefer in die buddhistische Theorie, bevor wir dann später in Teil 8 zur Idee der eigentlichen Meditation kommen. Ich versuche die Theorien so kurz und einfach wie möglich zu halten – sie sind jedoch wichtig, damit wir überhaupt verstehen, warum wir aus buddhistischer Sicht überhaupt meditieren.

Weiter geht’s:
Das Sanskrit-Wort Klesha bedeutet Leid oder Qual und bezeichnet die Befleckungen in unserem Geiste, die zum Leiden führen. Der japanische Begriff ist etwas genauer: Bonno setzt sich zusammen aus Bon, das Verwirrende und No, das Niederdrückende.

Insgesamt gibt es 108 Kleshas, 10 grundlegende und 98 abgeleitete.

Die 10 grundlegenden Kleshas sind:

1. Gier
2. Hass
3. Verblendung
4. Dünkel
5. Ansichten
6. Zweifel
7. Starrheit
8. Aufgeregtheit
9. Schamlosigkeit
10. Gewissenlosigkeit

Die ersten drei werden auch als die Drei Geistesgifte bezeichnet. Durch die Meditation werden diese zu Bescheidenheit, Geduld und Einsicht.

Buddha Shakyamuni lehrte die dreifache Formel (Kleshas, Karma, Leiden) für die zweite der Edlen Wahrheiten, die Ursache für das Leid und für unsere Probleme und Frustration:

Wir haben Kleshas, diese bewirken das Entstehen von Karma.
Das Karma bringt Leiden hervor.
Das Leiden lässt wieder Kleshas entstehen.

Das Sanskrit-Wort Karma bedeutet Handlung. Ich tue etwas, und das hat Folgen. Wenn ich gegen eine Tür klopfe, gibt es eine Geräusch. Das Klopfen ist das Karma, das Geräusch die Folge des Karmas oder die Karma-Frucht. Wenn ich regelmäßig jeden Morgen gegen meine Tür klopfe, wird daraus eine Angewohnheit in meinem Geist. Das ist auch eine Folge der Handlung, des Karmas. Die Folgen wirken also nach Innen und nach Außen. Sie sind in Wirklichkeit so komplex, dass es wenig Sinn macht, darüber nachzudenken. Dazu rief Buddha auch nicht auf, sondern er wollte, dass wir die zu Grunde liegenden Kleshas erkennen und abschneiden oder transformieren.

(Ich empfehle dazu einen Blick in den Palikanon, den ur-buddhistischen Schriften. Z.B. bei http://www.palikanon.com. Die modernen Ansichten von Karma in der Esoterik-Szene und auch manchmal im tibetischen Buddhismus sind stark vermengt mit Volks- und Aberglauben und haben oft wenig zu tun, mit dem was Buddha ursprünglich über Karma (in Pali: Kamma) sagte.)

Über kujiin

Lehrer für Vajrayana Buddhismus und innere Kampfkunst
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