Chih-I Tendai Teil 6: Die 2 spirituellen Bereiche des edlen und selbstlosen Lebens

In Artikel Chih-I Teil 3, habe ich über die unteren 6 der 10 Daseinsbereiche gesprochen. Es fehlen noch die Ebenen der Shravakas, der Pratyekabuddhas, der Bodhisattvas und der Buddhas selbst. Die zwei spirituellen Bereiche des edlen und selbstlosen Lebens sind die Bereiche der Shravakas und der Pratyekabuddhas . Die Wege (sk: Yana) Shravaka-yana und Pratyekabuddha-yana werde ich aus Sicht des Mahayana-Buddhismus jetzt kurz erklären:

Shravaka (sk: Hörer der Stimme) sind spirituelle Schüler die mit viel Glaube und Hingabe einem Buddha zuhören, wie er über die vier edlen Wahrheiten spricht und dadurch den Zustand des Arhat erreicht. Der Arhat hat die Ich-Losigkeit erkannt, haftet aber noch an der Dualität von Subjekt und Objekt. Die Shravakas sehen die Dinge zwar als nicht real, schreiben ihnen aber eine von der subjektiven Wahrnehmung unabhängige Existenz zu, bestehend aus Atomen, die unzerstörbar sind. Ebenso gibt es für sie in der relativen Zeit absolute unteilbare Momente des Bewusstseins. Arhats teilen ihr Wissen mit anderen.

Der Pratyekabuddha (sk: der einsam Erwachte) ist ohne Lehrer durch die Meditation über die 12 Glieder des Entstehens erwacht, behält sein Wissen jedoch für sich. Die Pratyekabuddhas verstehen, dass auch die winzigsten Teilchen ohne Substanz sind, halten jedoch noch an einen Moment des Bewusstseins fest, der absolut ist.

Die 12 Glieder des abhängigen Entstehens:

3 Glieder, die die bestimmenden Ursachen bilden:
- Unwissenheit: Nicht-Erkennen der Ich-Losigkeit
- Willentliches Handeln
- Bewusstsein

4 Glieder, die das Ergebnis der bestimmenden Ursache bilden:
- Name und Form: Geist-Materie-Dualität
- Wahrnehmungsfaktoren: Die 6 Sinnesorgane entstehen
- Kontakt
- Empfindungen: Angenehm, unangenehm oder neutral

3 Glieder, die die Ursache der Existenz bilden:
- Verlangen: Das angenehme Sinnesobjekt wollen wir besitzen
- Anhaften: Und wir wollen uns nicht mehr davon trennen
- Entstehen: Eine Persönlichkeit bildet sich

2 Glieder, die das Ergebnis der Ursache der Existenz bilden:
- Geburt: Etwas neues wird geboren.
- Alter, Tod: Und vergeht wieder.

Um dieses etwas schwierige Thema der 12 Glieder des Entstehens zu verstehen, ziehe ich wieder die Schriften von Chih-I zu Rate:

Chih-I zu den 12 Gliedern:
„Ohne Erleuchtung steigen die Wünsche (Gier) und die anderen Kleshas auf.

1. Wenn wir ohne Erleuchtung sind, ist dort Unwissenheit.
2. Das Aufsteigen der Wünsche ist ein Akt des Willens, ermöglicht durch die Unwissenheit.
3. Das Bewusstsein der Wünsche bindet die vier anderen Skandhas (Körper, Gefühle, Wahrnehmung und Willen).
4. Ihre Beständigkeit erstellt die Illusion eines temporären Selbst, welches die Dualität von Name und Form (Geist und Materie) aufsteigen lässt.
5. Der physische Körper wird gereizt, da sind die 6 Eingänge (Sinnesorgane).
6. Die 6 Sinnesorgane sind verbunden mit den 6 Sinneswahrnehmungen; es entsteht Kontakt.
7. Wenn wir diese Sinneswahrnehmungen akzeptieren und ihnen folgen, entstehen Gefühle.
8. Da wir uns daran erfreuen und mehr davon wollen, entsteht Begehren.
9. Begehren bindet uns in Anhaftung.
10. Wenn wir diese Handlungen (Karma) kreieren, entsteht eine Selbst.
11. Die Skandhas dieses Selbst, die in der Zukunft aufsteigen werden, nennen wir Geburten.
12. Wenn die Skandhas des Selbst gereift sind, da ist Alter. Wenn sie vergehen, da ist Tod.

Diese 12 bilden das Rad der Verknüpfung von Ursache und Wirkung.“

Der nächste Artikel wird wieder etwas einfacher: Der Bodhisattva-Weg und die 6 Paramitas.

Über kujiin

Lehrer für Vajrayana Buddhismus und innere Kampfkunst
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