Die buddhistische Zuflucht

Zuflucht

Zuflucht

Die Ferien sind vorbei, der “Sommer” auch fast, und mir fällt ein, dass ich noch einen Artikel über die buddhistische Zuflucht offen habe. Jaaa, die Buddhisten mit ihrer Zuflucht :-) Auf englisch Refuge; in Sanskrit Sharana.

Es hört sich fast so an, als ob wir vor etwas fliehen wollen. Das „Zu“ macht es aber zu einem Fliehen hinzu und nicht von weg. Wenn Geld einem nichts mehr bringt, Arbeit einem auch nicht die Erfüllung liefert, wenn man sich Gedanken darüber macht, dass arbeiten bis zur Rente und dann Ruhestand mit evtl. Krankheit oder früher Tod doch nicht alles im Leben sein kann, wenn man denkt, da muss es doch noch mehr geben und der Kick im Basejumping auch nicht mehr reicht, dann ist die Zuflucht zu Buddha die letzte Möglichkeit herauszufinden, was da noch ist.

Wenn du sprichwörtlich die Schnauze voll hast, bietet Buddha dir einen alternativen Pfad:

Ich nehme Zuflucht zu den drei Juwelen -

Buddham sharanam gacchāmi.
Ich nehme Zuflucht zu Buddha.

Dharmam sharanam gacchāmi.
Ich nehme Zuflucht zum Dharma.

Sangham sharanam gacchāmi.
Ich nehme Zuflucht zur Sangha.

Das ist die traditionelle Zufluchtsformel in Sanskrit. Nimmt man sie offiziell, d.h. als Zufluchts-Gelübde vor einem Lehrer oder Buddha, tritt man der buddhistischen Gemeinschaft bei und übt sich darin, keinem Ideal und keiner Idee in seinem Leben mehr Aufmerksamkeit zu schenken als Buddha. Geld ist wichtig, um unseren Lebensunterhalt zu bezahlen, Arbeit ist wichtig, aber nicht wichtiger als Buddha. Buddha ist unsere höchste Zuflucht.

Die Essenz der Zufluchtnahme ist der Wunsch, zu erwachen. Dieser geht im Mahayana Buddhismus (Großes Fahrzeug) einher mit dem Mitgefühl für alle Lebewesen. Wie vieles im Buddhismus kann man die Zuflucht zu den drei Juwelen auf verschiedenen Ebenen sehen und es gibt die äußere, die innere und die geheime Sicht der Zuflucht.

Die äußere Sicht der Zuflucht:
Wir haben bemerkt, dass unsere Persönlichkeit ein illusorisches Spiel ist, eine Halluzination, und wollen uns von der ständigen Frustration und von unseren Problemen endgültig befreien. Wir wenden uns mit unerschütterlichem Willen und reinem Glauben an Buddha Shakyamuni, seine Lehre mit den vielen Methoden und Techniken und an die Gemeinschaft der Praktizierenden als unterstützende Hilfe.

Die innere Sicht der Zuflucht:
Das sind der Guru (Lehrer) und die sich im Mandala (jp. Mandara) befindlichen männlichen und weiblichen Buddha-Ausstrahlungen (Gottheiten: Devas männl., Dakinis weibl.). Mit Vertrauen in die Devas und Dakinis bekommst du alle Methoden und Weisheiten, die du auf dem Pfad des Geheimen Mantras benötigst.

Die Bedeutung des Gurus ist dreifach:
Mahavairochana (der kosmische Buddha) ist der Guru, dein eigenes Bauchgefühl ist dein Guru und dein Lehrer ist dein Guru. Dein Lehrer ist aber nicht Gegenstand der Verehrung, sondern du benötigst ihn, damit er dir das Geheime Mantra übermittelt und so dein eigenes Licht zum Leuchten gebracht werden kann. Ohne Lehrer ist es manchmal schwer, diese Inspiration zu erhalten.

Die geheime Sicht der Zuflucht:
Sichtweise, Meditation und Verhalten.
Buddha (und Guru) ist dein eigener Geist.
Dharma ist die Erfahrung der Erleuchtung, die du in der Meditation machst.
Sangha ist das Verhalten, dass alles vom gleichen Geschmack ist.

Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha zu nehmen ist die Essenz des Buddhismus, die Essenz der Meditation und eine lebenslange Praxis.

Wenn du jedoch noch Vergnügen am täglichen zur Arbeit gehen und an regelmäßig Party machen hast, dann genieße das und lass das mit dem Buddha :-)

Über kujiin

Lehrer für Vajrayana Buddhismus und innere Kampfkunst
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3 Antworten zu Die buddhistische Zuflucht

  1. Pingback: Chih-I Tendai Teil 9: Shamatha/Vipashyana Meditation | Blog Daochan – Fließende Weisheit

  2. rob schreibt:

    Hey, wieso sollte ich das mit der FREUDE an Festen und Parties und der täglichen Arbeit NICHT mit der Zuflucht verbinden können? FREUDE heisst ja immer auch teilen… Kommunikation… GEBEN…

    Wenn das ein Gegensatz sein sollte, dann hab entweder ich oder du die Zuflucht nicht ganz verstanden… oder?! ;-)

  3. kujiin schreibt:

    Danke für deinen Kommentar, Rob.
    Natürlich kannst du das miteinander verbinden. Das Du/Ich versucht immer alles miteinander zu verbinden und gegeneinander abzuwiegen. Aber warum hast du wirklich Zuflucht genommen? Kannst du die Party auch mal ausfallen lassen, um abends deine Praxis zu machen?

    Gerade im Vajrayana ist Freude, oder besser gesagt Bliss (Glückseligkeit) essentiell. Diese Freude jedoch ist jenseits von dem bewertenden Ich. Sie ist immer da, manchmal mehr, manchmal weniger, aber völlig unabhängig vom Feiern im Außen. Dort kann Freude sein, aber auch Trauer und Schmerz. Es ist alles okay. Ich kann mich mitteilen und geben, ich kann aber auch still sein und nehmen. Letztendlich spielt das keine Rolle (oder ES spielt nur eine Rolle), es ist so wie es ist und wir können nichts falsch machen.

    Was ich zum einen sagen wollte war, wir brauchen Hingabe, wenn wir einen spirituellen Weg gehen wollen. Je nach dem auf welchem Level wir sind, kann diese Hingabe natürlich anders aussehen. Erstmal bedeutet es aber, Buddha steht vor allem anderen. Erst kümmere ich mich um meine Praxis, dann um die Party und um die Arbeit.

    Zuflucht zu Buddha nehmen und nicht zu anderen Göttern heißt: Ich nehme keine Zuflucht zum Geld und zum Vergnügen. Diese Zuflucht zum Geld und zum Vergnügen kann sich sehr subtil bei uns einschleichen.

    Überspitzt gesagt: Nicht noch mehr Geld verdienen wollen, wenn man schon jeden Monat 10.000 Euro bekommt, damit man auf noch mehr Parties mit einem noch schickeren Auto fahren kann. Meistens ist es jedoch eher anders herum. Man macht sich zu viele Sorgen um Geld.

    Es ist eine gute Übung, wenn du dir mal Gedanken darüber machst, wie oft du dich sorgst, um Geld und ob das mit der Verabredung heute Abend oder der Beförderung nächste Woche klappt, anstatt auf das Leben, auf Buddha zu vertrauen.

    Wirst du Buddhist, weil es In ist und sich auf der Party cool anhört oder weil du wirklich denkst, da muss es doch noch mehr geben als Party und Arbeit?

    Am Anfang braucht man diese Unzufriedenheit mit dem Leben, sonst machen die Beweggründe Buddhist zu werden keinen Sinn und die Hingabe fehlt. Später wird man dann vielleicht erkennen, dass Entsagung nicht heißt, sich vom Leben abzuwenden, sondern „nur“, nicht mehr an dem Leben zu haften. Man lernt, seine Arbeit und seine Vergnügungen mit dem spirituellen Weg zu verbinden. Irgendwann jedoch, kann es passieren, dass niemand mehr da ist, der die Party genießen kann :-)

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