Ich gehe hier etwas intensiver auf das Thema Karma ein, weil im Westen einige seltsame Ansichten darüber herrschen, die kaum etwas mit den Aussagen Buddhas zu tun haben. Besondere Merkmale habe ich fett markiert. Das heißt jetzt nicht, dass Buddhas Darlegung vom Karma die einzig richtige ist. Ich möchte nur, dass wir verstehen, was Buddha sagte und es nicht mit anderen Meinungen verwechseln.
Karma heißt Handlung oder Tat und deutet auf das Gesetz von Ursache und Wirkung. Durch eine Handlung entsteht eine Auswirkung, eine Karma-Frucht. Meist wird das gerne in einen Topf geschmissen und auch die Karma-Frucht als Karma bezeichnet. Die Handlung muss auch eine äußere sichtbare sein, also durch meinen Körper oder meine Sprache ausgeführt werden und geht vielleicht von meinen Gedanken aus, bloßes Denken an etwas, ist aber noch kein Karma! Die ausgeführte Handlung fällt irgendwann und irgendwie wieder auf mich zurück.
Anders ausgedrückt: Karma ist der heilsame oder unheilsame Wille, der den Charakter und das Geschick der Wesen beeinflusst. Dieser karmische Wille äußert sich in körperlichen Taten, in Worten oder in Gedanken. Karma bedeutet nicht das Schicksal von Menschen oder gar ganzen Völkern. (Nachzulesen im Pali Kanon!)
Noch mal: Karma ist die Handlung, aus der eine Auswirkung entsteht, die Karma-Frucht.
Karma ist kein Schicksal, keine Bestrafung und auch keine Vorherbestimmung, die uns durch irgendeine Macht im Universum aufgezwungen wird. Es ist unsere eigene Reaktion auf uns selbst und so können wir auch unser Karma bis zu einem gewissen Grad ändern. Das Glück und das Leid das wir im Leben erfahren, hängt von unseren guten und schlechten Taten in der Vergangenheit ab. Jede Handlung, die wir vornehmen, wird im mentalen Kontinuum angesammelt. Dort bleibt es als Energie gespeichert, bis es in der Zukunft Resultate produziert. Karma, bzw. die Karma-Frucht, sind unsere gewohnheitsmäßigen Tendenzen.
Da es kein inhärentes Ich gibt, gibt es auch keinen Kern, der wiedergeboren werden kann. Keine Seele wird wiedergeboren, sondern nur ein konstant wechselnder Strom mentaler Energie. Nach buddhistischer Sicht sind wir Menschen aus einer Matrix aus Handlungen geboren.
Wenn wir die Ich-Losigkeit nicht verstehen, entstehen durch Unwissenheit zusammen mit begehrendem Anhaften heilsame und unheilsame Handlungen. Immer wieder neu. Das ist der leidvolle Kreislauf des Lebens, Samsara genannt.
Buddha legte im Pali Kanon zwar einige Zusammenhänge zwischen Handlungen und Auswirkungen dar, deutete aber an mehreren Stellen darauf hin, dass es keinen Sinn für die Meditierenden hat, sich über Karma Gedanken zu machen und dass sie keine Vermutungen darüber anstellen sollen, welche Ursachen ein bestimmtes Ereignis hatte. Wenn wir Handlungen begehen, ohne Anhaftungen zu entwickeln, ist das kein Karma.
Durch Meditationen, wie die Höhere Einsicht oder die Namens-Rezitation auf den Buddha Amitabha, können wir diese Eindrücke, Gewohnheiten und Glaubenssätze in unserem Geist lockern und auflösen, um unsere Persönlichkeit zu transzendieren. Das kann man als Reinigen des Karmas, bzw. der Karma-Frucht bezeichnen.
Buddha wies auch darauf hin, dass nicht alles, was wir erfahren, Auswirkung des Karmas ist. Ein wichtiger Punkt, der den Buddhismus von anderen hinduistischen Ansichten unterscheidet.
Pali Kanon: Anguttara Nikaya (palikanon.com)
Jene Asketen und Priester nun, die da behaupten und der Ansicht sind, dass alles bedingt sei durch frühere Tat… Wahrlich, ihr Mönche, denjenigen, die sich auf frühere Tat als das Entscheidende berufen, fehlt es an Willensantrieb und Tatkraft und an einem Anlass dieses zu tun oder jenes zu lassen. Weil sich nun aber hieraus wirklich und gewiss keine Notwendigkeit ergibt für ein bestimmtes Tun oder Lassen, so verdienen solche geistig Unklare und unbeherrscht Lebende nicht die Bezeichnung als Asketen. Dies ist mein erster begründeter Vorwurf gegen jene Asketen und Priester, die solches behaupten, solcher Ansicht sind.
Die Lehre über Karma hat den Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, dass unsere Handlungen Folgen haben können, die wir nicht überblicken kann. Deshalb ist es sinnvoll, nur solche Handlungen zu begehen, die möglichst kein Leid für mich und andere erzeugen.
Die drei Wurzeln des heilsamen Handelns sind:
- Gierlosigkeit,
- Güte,
- Einsicht,
die des unheilsamen Handelns aber:
- Gier, Anhaften,
- Haß, Ablehnung ,
- Verblendung, Unwissenheit.
Übung: Meditation über Karma
Führe eine kleine Atemmeditation durch oder zähle bis 21.
Denke danach daran, dass alle deine Handlungen Konsequenzen haben können, die du jetzt nicht überblicken kannst.
Nimm einige Beispiele aus deinem Leben, bei denen du halbwegs erkennen kannst, was für Konsequenzen aus deinen Handlungen und Worten entstanden sind. (Z.B.: Du hast bei einer Klassenarbeit geschummelt, wurdest vom Lehrer dabei erwischt und bekamst eine 6. Du bist betrunken Auto gefahren und musstest deinen Führerschein abgeben.)
Wie hast du darauf reagiert? Was wäre, wenn du anders reagiert hättest, wenn du entspannter und weiser gewesen wärest?
Fasse den Beschluss, dass es besser ist, nur Dinge zu tun, die dich und andere weder mit Tat noch Stimme verletzen. Tue möglichst nur etwas, was dir und anderen kein Leid zuführt oder sonstige Probleme macht.
Mache dir keine Gedanken mehr über Karma.
Fasse den Beschluss, weiter zu üben, bis du erwachst.
Beende die Meditation mit einem Lächeln.